
Der
Operationsverstärker
Ein Bericht über die Entwicklung und
Funktionsweise
Die
Bezeichnung Operationsverstärker (engl. operational Amplifer,
Verstärker), abgekürzt als OP oder OPA,
hat mit Operation im medizinischen Sinne nichts zu tun. Der OP
führt Rechenoperationen aus und ist Vorläufer des Prozessors
(CPU). In den 60er und 70er Jahren wurden besonders an
Forschungseinrichtungen Analogrechner verwendet, mit denen
man recht einfach Differentialgleichungen (viele
Problemstellungen in der Technik lassen sich damit beschreiben)
nachbilden und somit in Echtzeit lösen konnte. Digitalrechner
sind für solche speziellen Aufgaben besser
geeignet, weil sie, ihrer Natur nach, digital arbeiten. Die
Welt, wie wir sie sehen ist allerdings analog. Digitalrechner
waren zu dieser
Zeit noch sehr leistungsschwach. Das hat sich jedoch mit der
Entwicklung der Prozessoren, CPU´s schnell verändert,
so dass bald auch aufwendige
quasianaloge Simulationen sehr schnell berechnet werden konnten.
Deshalb spielen Analogrechner heute kaum noch eine Rolle.
Vielmehr ist der OP bei der Ausgabe analoger
Signale unverzichtbar, z. B. bei
Leistungsverstärkern im Hi-Fi-Bereich (Amp).
Ein Analogrechner bestand aus Gliedern, die zunächst nicht fest verdrahtetet
waren. Funktionen konnte man durch Programmierung ändern. Ein
Analogrechner bestand
aus Funktionseinheiten, die, je nach Aufgabenstellung
von Hand miteinander verbunden wurden. Es handelte es sich
dabei um
Proportionalitätsglieder, d.h. invertierende oder nicht
invertierende Verstärker, Addierer, Subtrahierer, Integratoren
und Differenzierer. Herzstück dieser Funktionsglieder war
jeweils ein sog. Operationsverstärker.
Sehr bald wurde erkannt, dass die anfänglich noch sehr teuren
Operationsverstärker nicht nur nutzbringend in Analogrechnern,
sondern in fast der ganzen Elektronik einsetzbar waren. Die im
Vergleich dazu simplen Transistorgrundschaltungen der
Anfänge wurden ersetzt durch den OP. Dies sorgte schon bald für
weite Verbreitung und spezielle, auf einem Differenzverstärker
basierende Schaltungstechnik. z. B. bei Audioverstärkern, die
heute nichts anderes als diskret aufgebaute
Leistungsoperationsverstärker sind. Durch zunehmende
Stückzahlen sanken die Preise deutlich. Heute ist der
Operationsverstärker, von Spezialtypen abgesehen, ein sehr
preiswertes Standardbauelement mit nahezu idealen Eigenschaften,
das aus der Elektronik nicht mehr wegzudenken ist und das immer
noch weiterentwickelt wird, um auch exotische Anwendungsfälle und widersprüchliche Forderungen unter einen Hut
zu bekommen. Beispielsweise sind speziell OPs erhältlich, die
mit weniger als 20 μA Versorgungsstrom auskommen.
Kurioserweise weisen andere Typen trotz zahlreicher Transistoren
ein deutlich geringeres Rauschen auf, als diskret erhältlichen
Bauelemente.
Das
wesentliche Glied eines Operationsverstärkers ist der
Differenzverstärker. Ein "normaler" Verstärker besitzt einen
Eingang, an dem man das Signal einspeist, und einen Ausgang, an
dem das verstärkte Eingangssignal anliegt. Ein
Operationsverstärker besitzt hingegen gleich zwei Eingänge und
einen Ausgang, wobei das Ausgangssignal der stark verstärkten
Differenz der Eingangssignale entspricht. Welche enormen
Vorteile sich daraus ergeben, wird später erläutert. An dieser
Stelle nur soviel: Man kann damit in nahezu idealer Weise einen
Soll-/Istwertvergleich durchführen.
Der Differenzverstärker ist einfach aufgebaut: Er besteht aus 2
miteinander verbundenen Emitterschaltungen, die auf einem gemeinsamen Emitterwiderstand arbeiten. Zur Verbesserung der Eigenschaften
verwendet man selten einen ohmschen Widerstand sondern fast
immer eine Stromquelle. Die gebräuchliche Bezeichnung
Stromquelle ist übrigens nicht sehr glücklich gewählt, denn sie
gibt keinen Strom ab, sondern begrenzt ihn auf einen bestimmten
Wert: Der Strom hat unabhängig von der angelegten Spannung immer
den gleichen Wert.
Der Differenzverstärker wird üblicherweise mit einer
symmetrischen Spannung betrieben, d.h. die eine
Versorgungsspannung ist positiv und die andere gleich groß aber
negativ. Ein solcher Differenzverstärker (oft auch
Differenzenverstärker genannt) besitzt zwei Eingänge und 2
Ausgänge, wie dies in Bild 1 dargestellt ist:

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| Bild 1:
Differenzverstärker |
Unter der Voraussetzung, dass die beiden Eingangsspannungen
gleich gross sind, sind auch die Kollektorströme I1 und I2 der
beiden Transistoren T1 und T2 gleich hoch. An den beiden Kollektorwiderständen R1 und R2,
die den selben Wert haben, fällt daher eine
gleich große Spannung ab, wodurch die beiden Ausgangsspannungen
ebenfalls gleichgroß sind. Dies ist auch für einen
Differenzverstärker ganz logisch: Die Differenz der
Eingangsspannungen ist Null, also ist auch die Differenz der
Ausgangsspannungen Null. Die Summe der Kollektorströme ist durch
die Stromquelle auf den Nennstrom der Stromquelle festgelegt.
Die Spannung an den beiden Emittern und damit indirekt die
Basis-Emitterspannung der beiden Transistoren stellt sich
hierbei ganz automatisch ein, sodass genau der richtige Strom
fließt. Die Stromquelle läßt einfach nicht mehr Strom
durch. Merke: Wenn beide Transistoren durch die gleiche
Eingangsspannung gleichweit ausgesteuert werden, fließt durch
beide der gleiche Strom. Und dieser Strom kann in Summe nur der
immer konstante Strom der Stromquelle sein.
Ist die Eingangsspannung an T1 jedoch nur ganz geringfügig
größer als die Eingangsspannung von T2, so nimmt infolge der
sehr steilen Abhängigkeit des Kollektorstroms von der
Basisspannung der Kollektorstrom von T1 stark zu. Weil der
Gesamtstrom von der Stromquelle vorgegeben wird, bleibt für T2
nur ein kleiner Strom übrig. Durch den stark erhöhten Strom
durch T1 steigt auch der Spannungsabfall an R1 stark an, so daß
die Ausgangsspannung an Ausgang A1 stark zurückgeht. Bei Ausgang
A2 ist es wegen des viel kleineren Stroms umgekehrt. Dies ist
genau das, was man von einem Differenzverstärker erwartet: Die
Differenz der Ausgangsspannung folgt mit hoher Verstärkung der
Differenz der Eingangsspannung.
Aufgrund der steilen Kennlinien von Transistoren reichen schon
wenige Millivolt, also tausendstel Volt Differenzspannung, um
die beiden Ausgänge so weit auszusteuern, dass jeweils die
positive bzw. negative Versorgungsspannung erreicht wird, denn
die Verstärkung der Differenzspannung ist extrem hoch.
Die beiden Ausgänge des Differenzverstärkers sind einigermaßen
hochohmig, was in der Praxis unerwünscht ist. Aus diesem Grund
wird bei Operationsverstärkern in Form einer Treiber- und
Ausgangsstufe für hohe Stromverstärkung und damit für einen niederohmigen Ausgang
gesorgt. Gleichzeitig wird der differentielle
Ausgang des Differenzverstärkers zu einem einzigen
zusammengefasst. In Bild 2 ist dies anhand des Prinzipschaltbildes dargestellt:

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| Bild 2:
Prinzipschaltbild eines Operationsverstärkers |
Beim Differenzverstärker steuern beide Ausgänge
die Treiberstufe in Emitterschaltung an, bestehend aus
T3 und T4. T3 verstärkt das Ausgangssignal von T1 und T4 das
Ausgangssignal von T2. T3 arbeitet dabei auf T4 und T4 auf T3
als "Kollektorwiderstand". Beide Ausgangssignale des
Differenzverstärkers werden dadurch zu einem einzigen
zusammengefasst, wobei sowohl eine Spannungs- als auch
Stromverstärkung stattfindet. Transistor T7 sorgt für einen
Pegelversatz zwischen oberem und unterem Ausgang, der
erforderlich ist, damit durch die Endtransistoren T5 und T6 ein
geringer Ruhestrom fließt. Dadurch wird die tote Zone
um den Nullpunkt vermieden. Sie entsteht, weil ein
npn-Transistor etwa +0,7 V Basisspannung benötigt,
um anzusprechen. Ein pnp-Transistor benötigt -0,7
V. Um die daraus sich ergebende tote Zone von 1,4 V
zu vermeiden, wird mittels T7 eine entsprechende Vorspannung
einstellt, üblicherweise wird eine geringfügig höhere Spannung eingestellt,
um einen kleinen
Ruhestrom zu erreichen. Im Bild nicht dargestellt ist der Kurzschlussschutz, über den die meisten
Operationsverstärker üblicherweise verfügen.
Die Güte des Differenzverstärkers und damit des ganzen
Operationsverstärkers hängt sehr wesentlich davon ab, dass die
Eingangstransistoren absolut identisches Verhalten besitzen.
Denn bei auch nur geringen Unterschieden steigt die unerwünschte
Gleichtaktverstärkung drastisch an. Von
Gleichtaktverstärkung spricht man, wenn sich die
Ausgangsspannung mit der Eingangsspannung ändert, obwohl die
Eingangsspannungsdifferenz Null ist. Gleichzeitig ergibt sich
bei Transistoren mit unterschiedlichen Kennlinien ein Versatz
der Eingangsspannung, d.h. 0 V Ausgangsspannung
erreicht man dann nicht mehr. Es ergeben sich bei 0 V
Eingangsspannungsdifferenz beispielsweise bei 0,1
V Ausgangswert. Die ist sehr unerwünscht. Es ist sehr schwierig,
die Forderung nach identischem Verhalten mit diskreten Bauteilen
zu erfüllen - vor allem vor dem Hintergrund
wechselnder Umgebungstemperaturen. Integrierte Schaltungen,
bieten hier große Vorteile, weshalb es Operationsverstärker als
iBauteile schon viele Jahrzehnte gibt.
Moderne Operationsverstärker kommen dem theoretischen Ideal sehr
nahe. Durch die spezielle
Ausgestaltung der Schaltungen lässt sich das Verhalten in
vorgegebene
Richtungen verbessern. Audio-OP-Amps besitzen beispielsweise
zugunsten eines möglichst geringen Klirrfaktors eine
vollsymmetrische Eingangsstufe
Prinzipschaltbild
HiFi-Verstärker. Reicht der ohnehin schon hohe
Eingangswiderstand nicht aus, lässt sich dieser durch den Einsatz von
Sperrschicht-FETs oder MOS-FETs so hoch treiben, dass die
Eigenschaften des Isolationsmaterials (z.B. Leiterplatte) und
die der Luftfeuchtigkeit die weiteren begrenzenden Faktoren
werden.
In Bild 3 ist das Schaltzeichen und die Anschlüsse
eines Operationsverstärkers dargestellt. Technische
Leistungsdaten werden in Datenblättern beschrieben. Ein OP
besitzt neben den beiden Anschlüssen für die
positive und negative Betriebsspannung einen Plus-, einen
Minuseingang sowie jeweils einen Ausgang.

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| Bild 3:
Schaltzeichen und Anschlüsse eines
Operationsverstärkers |
Die Bezeichnung + und - der beiden Eingänge kennzeichnet, wie
sich eine angelegte Spannung auf den Ausgang auswirkt: Ist der
Pluseingang positiver als der Minuseingang, ist die
Ausgangsspannung positiv. Ist der Minuseingang positiver als der
Pluseingang, ist sie negativ. In Schaltbildern werden aus
Gründen der Übersichtlichkeit die Betriebsspannungsanschlüsse
übrigens oft nicht dargestellt. Dies ist auch in den
nachfolgenden Grundschaltungen der Fall. Als Spannungsversorgung
hat sich bei Netzbetrieb eine symmetrische Versorgung mit
+/- 15 V weitgehend durchgesetzt.
Nachfolgend werden einige der wichtigsten Grundschaltungen
lediglich kurz vorgestellt, um die breiten Möglichkeiten
aufzuzeigen. Möchten Sie weitere Einzelheiten darüber erfahren,
sei Ihnen entsprechende Fachliteratur empfohlen, in der die
Dimensionierung und praktische Ausführung erklärt
wird. Das Thema ist so umfangreich, dass im Rahmen
dieser WebSite nur die Oberfläche angekratzt werden kann.
Eine der bekanntesten und auch am weitesten verbreiteten
Grundschaltungen ist der nichtinventierende Verstärker, auch
Elektrometerverstärker genannt. Er besitzt einen sehr hohen
Eingangswiderstand, und der Verstärkungsfaktor kann mittels
zweier Widerstände auf einen Wert von 1 oder mehr eingestellt
werden.
Operationsverstärker (OPVs) gehören zu den am
weitesten verbreiteten elektronischen Schaltungen. Für
Low-End-Applikationen sind die Anforderungen meist unkompliziert
und gut definiert, und der Auswahlprozess ist recht einfach. Für
High-End-Einsätze hingegen ist die Auswahl optimaler
Präzisions-OPVs oftmals eine echte Herausforderung, wenn es um
die Implementierung von Systemdesigns mit multiplen
Sensoreingängen geht. Einige Beispiele sollen da helfen.
von Tamara Schmitz
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