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Der Operationsverstärker

Ein Bericht über die Entwicklung und FunktionsweiseOperationsverstärker LM258 im TO-Gehäuse

Die Bezeichnung Operationsverstärker (engl. operational Amplifer, Verstärker), abgekürzt als OP oder OPA, hat mit Operation im medizinischen Sinne nichts zu tun. Der OP führt Rechenoperationen aus und ist Vorläufer des Prozessors (CPU). In den 60er und 70er Jahren wurden besonders an Forschungseinrichtungen Analogrechner verwendet, mit denen man recht einfach Differentialgleichungen (viele Problemstellungen in der Technik lassen sich damit beschreiben) nachbilden und somit in Echtzeit lösen konnte. Digitalrechner sind für solche speziellen Aufgaben besser geeignet, weil sie, ihrer Natur nach, digital arbeiten. Die Welt, wie wir sie sehen ist allerdings analog. Digitalrechner waren zu dieser Zeit noch sehr leistungsschwach. Das hat sich jedoch mit der Entwicklung der Prozessoren, CPU´s schnell verändert, so dass bald auch aufwendige quasianaloge Simulationen sehr schnell berechnet werden konnten. Deshalb spielen Analogrechner heute kaum noch eine Rolle. Vielmehr ist der OP bei der Ausgabe analoger Signale unverzichtbar, z. B. bei Leistungsverstärkern im Hi-Fi-Bereich (Amp).

Ein Analogrechner bestand aus Gliedern, die zunächst nicht fest verdrahtetet waren. Funktionen konnte man durch Programmierung ändern. Ein Analogrechner bestand aus Funktionseinheiten, die, je nach Aufgabenstellung von Hand miteinander verbunden wurden. Es handelte es sich dabei um Proportionalitätsglieder, d.h. invertierende oder nicht invertierende Verstärker, Addierer, Subtrahierer, Integratoren und Differenzierer. Herzstück dieser Funktionsglieder war jeweils ein sog. Operationsverstärker.

Sehr bald wurde erkannt, dass die anfänglich noch sehr teuren Operationsverstärker nicht nur nutzbringend in Analogrechnern, sondern in fast der ganzen Elektronik einsetzbar waren. Die im Vergleich dazu simplen Transistorgrundschaltungen der Anfänge wurden ersetzt durch den OP. Dies sorgte schon bald für weite Verbreitung und spezielle, auf einem Differenzverstärker basierende Schaltungstechnik. z. B. bei Audioverstärkern, die heute nichts anderes als diskret aufgebaute Leistungsoperationsverstärker sind. Durch zunehmende Stückzahlen sanken die Preise deutlich. Heute ist der Operationsverstärker, von Spezialtypen abgesehen, ein sehr preiswertes Standardbauelement mit nahezu idealen Eigenschaften, das aus der Elektronik nicht mehr wegzudenken ist und das immer noch weiterentwickelt wird, um auch exotische Anwendungsfälle und widersprüchliche Forderungen unter einen Hut zu bekommen. Beispielsweise sind speziell OPs erhältlich, die mit weniger als 20 μA Versorgungsstrom auskommen. Kurioserweise weisen andere Typen trotz zahlreicher Transistoren ein deutlich geringeres Rauschen auf, als diskret erhältlichen Bauelemente.
 

Aufbau und Funktion eines Differenzverstärkers

Operationsverstärker LM1458 im DIL-GehäuseDas wesentliche Glied eines Operationsverstärkers ist der Differenzverstärker. Ein "normaler" Verstärker besitzt einen Eingang, an dem man das Signal einspeist, und einen Ausgang, an dem das verstärkte Eingangssignal anliegt. Ein Operationsverstärker besitzt hingegen gleich zwei Eingänge und einen Ausgang, wobei das Ausgangssignal der stark verstärkten Differenz der Eingangssignale entspricht. Welche enormen Vorteile sich daraus ergeben, wird später erläutert. An dieser Stelle nur soviel: Man kann damit in nahezu idealer Weise einen Soll-/Istwertvergleich durchführen.

Der Differenzverstärker ist einfach aufgebaut: Er besteht aus 2 miteinander verbundenen Emitterschaltungen, die auf einem gemeinsamen Emitterwiderstand arbeiten. Zur Verbesserung der Eigenschaften verwendet man selten einen ohmschen Widerstand sondern fast immer eine Stromquelle. Die gebräuchliche Bezeichnung Stromquelle ist übrigens nicht sehr glücklich gewählt, denn sie gibt keinen Strom ab, sondern begrenzt ihn auf einen bestimmten Wert: Der Strom hat unabhängig von der angelegten Spannung immer den gleichen Wert.

Der Differenzverstärker wird üblicherweise mit einer symmetrischen Spannung betrieben, d.h. die eine Versorgungsspannung ist positiv und die andere gleich groß aber negativ. Ein solcher Differenzverstärker (oft auch Differenzenverstärker genannt) besitzt zwei Eingänge und 2 Ausgänge, wie dies in Bild 1 dargestellt ist:

 
Differenzverstaerker
 
Bild 1: Differenzverstärker

Unter der Voraussetzung, dass die beiden Eingangsspannungen gleich gross sind, sind auch die Kollektorströme I1 und I2 der beiden Transistoren T1 und T2 gleich hoch. An den beiden Kollektorwiderständen R1 und R2, die den selben Wert haben, fällt daher eine gleich große Spannung ab, wodurch die beiden Ausgangsspannungen ebenfalls gleichgroß sind. Dies ist auch für einen Differenzverstärker ganz logisch: Die Differenz der Eingangsspannungen ist Null, also ist auch die Differenz der Ausgangsspannungen Null. Die Summe der Kollektorströme ist durch die Stromquelle auf den Nennstrom der Stromquelle festgelegt. Die Spannung an den beiden Emittern und damit indirekt die Basis-Emitterspannung der beiden Transistoren stellt sich hierbei ganz automatisch ein, sodass genau der richtige Strom fließt. Die Stromquelle läßt einfach nicht mehr Strom durch. Merke: Wenn beide Transistoren durch die gleiche Eingangsspannung gleichweit ausgesteuert werden, fließt durch beide der gleiche Strom. Und dieser Strom kann in Summe nur der immer konstante Strom der Stromquelle sein.

Ist die Eingangsspannung an T1 jedoch nur ganz geringfügig größer als die Eingangsspannung von T2, so nimmt infolge der sehr steilen Abhängigkeit des Kollektorstroms von der Basisspannung der Kollektorstrom von T1 stark zu. Weil der Gesamtstrom von der Stromquelle vorgegeben wird, bleibt für T2 nur ein kleiner Strom übrig. Durch den stark erhöhten Strom durch T1 steigt auch der Spannungsabfall an R1 stark an, so daß die Ausgangsspannung an Ausgang A1 stark zurückgeht. Bei Ausgang A2 ist es wegen des viel kleineren Stroms umgekehrt. Dies ist genau das, was man von einem Differenzverstärker erwartet: Die Differenz der Ausgangsspannung folgt mit hoher Verstärkung der Differenz der Eingangsspannung.

Aufgrund der steilen Kennlinien von Transistoren reichen schon wenige Millivolt, also tausendstel Volt Differenzspannung, um die beiden Ausgänge so weit auszusteuern, dass jeweils die positive bzw. negative Versorgungsspannung erreicht wird, denn die Verstärkung der Differenzspannung ist extrem hoch.

Aufbau und Funktion eines Operationsverstärker

Die beiden Ausgänge des Differenzverstärkers sind einigermaßen hochohmig, was in der Praxis unerwünscht ist. Aus diesem Grund wird bei Operationsverstärkern in Form einer Treiber- und Ausgangsstufe für hohe Stromverstärkung und damit für einen niederohmigen Ausgang gesorgt. Gleichzeitig wird der differentielle Ausgang des Differenzverstärkers zu einem einzigen zusammengefasst. In Bild 2 ist dies anhand des Prinzipschaltbildes dargestellt:

 
Prinzipschaltbild eines Operationsverstaerkers
 
Bild 2: Prinzipschaltbild eines Operationsverstärkers

Beim Differenzverstärker steuern beide Ausgänge die Treiberstufe in Emitterschaltung an, bestehend aus T3 und T4. T3 verstärkt das Ausgangssignal von T1 und T4 das Ausgangssignal von T2. T3 arbeitet dabei auf T4 und T4 auf T3 als "Kollektorwiderstand". Beide Ausgangssignale des Differenzverstärkers werden dadurch zu einem einzigen zusammengefasst, wobei sowohl eine Spannungs- als auch Stromverstärkung stattfindet. Transistor T7 sorgt für einen Pegelversatz zwischen oberem und unterem Ausgang, der erforderlich ist, damit durch die Endtransistoren T5 und T6 ein geringer Ruhestrom fließt. Dadurch wird die tote Zone um den Nullpunkt vermieden. Sie entsteht, weil ein npn-Transistor etwa +0,7 V Basisspannung benötigt, um anzusprechen. Ein pnp-Transistor benötigt -0,7 V. Um die daraus sich ergebende tote Zone von 1,4 V zu vermeiden, wird mittels T7 eine entsprechende Vorspannung einstellt, üblicherweise wird eine geringfügig höhere Spannung eingestellt, um einen kleinen Ruhestrom zu erreichen. Im Bild nicht dargestellt ist der Kurzschlussschutz, über den die meisten Operationsverstärker üblicherweise verfügen.

Die Güte des Differenzverstärkers und damit des ganzen Operationsverstärkers hängt sehr wesentlich davon ab, dass die Eingangstransistoren absolut identisches Verhalten besitzen. Denn bei auch nur geringen Unterschieden steigt die unerwünschte Gleichtaktverstärkung drastisch an. Von Gleichtaktverstärkung spricht man, wenn sich die Ausgangsspannung mit der Eingangsspannung ändert, obwohl die Eingangsspannungsdifferenz Null ist. Gleichzeitig ergibt sich bei Transistoren mit unterschiedlichen Kennlinien ein Versatz der Eingangsspannung, d.h. 0 V Ausgangsspannung erreicht man dann nicht mehr. Es ergeben sich bei 0 V Eingangsspannungsdifferenz beispielsweise bei 0,1 V Ausgangswert. Die ist sehr unerwünscht. Es ist sehr schwierig, die Forderung nach identischem Verhalten mit diskreten Bauteilen zu erfüllen - vor allem vor dem Hintergrund wechselnder Umgebungstemperaturen. Integrierte Schaltungen, bieten hier große Vorteile, weshalb es Operationsverstärker als iBauteile schon viele Jahrzehnte gibt.

Moderne Operationsverstärker kommen dem theoretischen Ideal sehr nahe. Durch die spezielle Ausgestaltung der Schaltungen lässt sich das Verhalten in vorgegebene Richtungen verbessern. Audio-OP-Amps besitzen beispielsweise zugunsten eines möglichst geringen Klirrfaktors eine vollsymmetrische Eingangsstufe  Prinzipschaltbild HiFi-Verstärker. Reicht der ohnehin schon hohe Eingangswiderstand nicht aus, lässt sich dieser durch den Einsatz von Sperrschicht-FETs oder MOS-FETs so hoch treiben, dass die Eigenschaften des Isolationsmaterials (z.B. Leiterplatte) und die der Luftfeuchtigkeit die weiteren begrenzenden Faktoren werden.

Grundschaltungen mit Operationsverstärkern

In Bild 3 ist das Schaltzeichen und die Anschlüsse eines Operationsverstärkers dargestellt. Technische Leistungsdaten werden in Datenblättern beschrieben. Ein OP besitzt neben den beiden Anschlüssen für die positive und negative Betriebsspannung einen Plus-, einen Minuseingang sowie jeweils einen Ausgang.

 
Schaltzeichen eines Operationsverstaerkers
 
Bild 3: Schaltzeichen und Anschlüsse eines Operationsverstärkers

Die Bezeichnung + und - der beiden Eingänge kennzeichnet, wie sich eine angelegte Spannung auf den Ausgang auswirkt: Ist der Pluseingang positiver als der Minuseingang, ist die Ausgangsspannung positiv. Ist der Minuseingang positiver als der Pluseingang, ist sie negativ. In Schaltbildern werden aus Gründen der Übersichtlichkeit die Betriebsspannungsanschlüsse übrigens oft nicht dargestellt. Dies ist auch in den nachfolgenden Grundschaltungen der Fall. Als Spannungsversorgung hat sich bei Netzbetrieb eine symmetrische Versorgung mit +/- 15 V weitgehend durchgesetzt.

Nachfolgend werden einige der wichtigsten Grundschaltungen lediglich kurz vorgestellt, um die breiten Möglichkeiten aufzuzeigen. Möchten Sie weitere Einzelheiten darüber erfahren, sei Ihnen entsprechende Fachliteratur empfohlen, in der die Dimensionierung und praktische Ausführung erklärt wird. Das Thema ist so umfangreich, dass im Rahmen dieser WebSite nur die Oberfläche angekratzt werden kann.

Elektrometerverstärker

Eine der bekanntesten und auch am weitesten verbreiteten Grundschaltungen ist der nichtinventierende Verstärker, auch Elektrometerverstärker genannt. Er besitzt einen sehr hohen Eingangswiderstand, und der Verstärkungsfaktor kann mittels zweier Widerstände auf einen Wert von 1 oder mehr eingestellt werden.

Operationsverstärker (OPVs) gehören zu den am weitesten verbreiteten elektronischen Schaltungen. Für Low-End-Applikationen sind die Anforderungen meist unkompliziert und gut definiert, und der Auswahlprozess ist recht einfach. Für High-End-Einsätze hingegen ist die Auswahl optimaler Präzisions-OPVs oftmals eine echte Herausforderung, wenn es um die Implementierung von Systemdesigns mit multiplen Sensoreingängen geht. Einige Beispiele sollen da helfen.

von Tamara Schmitz

http://www.elektroniknet.de/messen-testen/technik-know-how/messgeraete/article/83857/0/Sensorsignale_richtig_verstxxxaumlxxxrken/

http://www.elektronik.de